Tag 1 - Die Anreise

Endlich sollte es losgehen. Um 23:12 sollte mein EC nach Basel kommen, von wo ich in Richtung Mailand weiter mit einem anderen EC weiter fahren werde. Es gab genug Fahrradplätze im EC, einer IC Garnitur, nur entfiel mein reservierter Sitzplatz aufgrund einer ausgefallener Klimaanlage. Wer die Deutsche Bahn kennt, weiß auch, sie haben mittlerweile eigene Absperrbänder für ausgefallene Klimaanlagen. Trotzdem habe ich mich, wie auch ein paar andere hinter das Absperrband gesetzt. Ich wollte ja unbedingt die Nähe zu meinem Rad wahren ;)

Der Umstieg in Basel war ein wenig auf Kante genäht. 6 Minuten Zeit für einen Umstieg an einem unbekannten Bahnhof, es gibt klügere Ideen. Letztendlich war das Glück mit dem Dummen, und der EC, bereitgestellt von der SBB, wartete bereits am Bahnsteig gegenüber. Reibungslos gelaufen alles? Bis jetzt ja, bis es in Italien aufgrund eines Zugbranndes 3 Stunden Verspätung oben drauf gab. Ich musste also mit einer Start der Fahrradtour von 13:37 kalkulieren, und nich wie geplant 10:37.

Angekommen in Mailand, fehlte mir die Zeit sich vielleicht noch am Bahnhof und Umgebung umzuschauen, es musste direkt los gehen. Mailand ist Groß und auch schön, so kurz und knapp war meine Zeit in Mailand. Beim verlassen der Stadt fuhr ich an einem Fluss entlang, eine Kilometerweite Strecke mit wenig Verkehr und mit exklusiven Fuß- und Radwegen.

Es war an diesem Tag sehr heiß, die teilweise sehr trockenen Felder wehten einen warmen Wind, der keine Abkühlung brachte. So ging es fast den ganzen Tag weiter, im Nachmittag stiegen die Temperaturen auf ihren Höchstwert und machten es fast unerträglich, schließlich war ich diese Temperaturen auch noch nicht gewöhnt. Ab und zu merkte ich die Dehydration in Form von Kopfschmerzen. Ich versuchte dann und wann dieses Defizit auszugleichen.

Bei meiner ersten Pause versorgte ich mich mit einem Eis und einer Cola, in einem Cafe in einem Dorf. Solche Cafes sind gut und gerne mit einer Kneipe hier in Deutschland vergleichbar. Es gab mehrere Tische mit kartenspielenden Männergruppen. Bei einer Gruppe war es dann auch richtig laut, und klischeehaft für Italien. Beim nächsten Stop an einem Carrefour Supermarkt sprach mich beim verlassen eine afrikanische Dame an und fragte mich nach Essen. Sie sprach mich auf englisch an und ich gab ihr etwas klein geld. Ich trank meine Cola und wir haben uns etwas unterhalten. Sie kam aus Nigeria und hat die Route über das Mittelmeer genommen. Vielleicht ist sie vor Boko Haram geflüchtet, aber ich habe nicht genau nachgefragt. Auf die Frage woher ich komme und was ich vor habe, mit dem Rad nach Barcelona zu fahren, hatte sie beeindruckt. Erst als ich meine Fahrt fortsetzte, wurde mir klar, moment mal, eigentlich sollte ich doch beeindruckt sein. Schließlich bin ich zu keiner Zeit solch einer Lebensgefahr ausgesetzt.

Als ich meinen weg fortsetzte, hielt ich Kontakt zur Inhaberin des Hostels in Genua, bei dem ich ein Zimmer buchte. Ich vermutete, ich würde es nicht bis zur vereinbarten schaffen, lag doch noch ein Berg zwischen mir und dem Hostel. Bei der letzten größeren Ortschaft vor dem Berg wurde ich dann von einem Rennradler in einem schweizer Trikot überholt. Ein freundliches "Ciao!" entgegnete mir, was ich natürlich gerne erwiderte, und er fuhr leichten Fußes weiter hoch. Ich konnte nicht mithalten, steckten mir doch schon rund 140km in den Knochen. Etwa 200m später ließ sich der Rennradler zurückfallen und fing eine Unterhaltung mit mir an. Stefano war kein Schweizer, sondern ein Fan von Fabian Cancellara. Ich opferte sich und bat mir an mir beim überqueren des "Passo della Bochetta" zu helfen. Die Wirkung von jemanden mitgezogen zu werden darf man nie unterschätzen. Ich merkte, einen Partner an der Seite wäre vielleicht für die Folgetage gut zu gebrauchen. Kalter Wind und Nebel zog über den Pass und sorgte nun führ einen wetterlichen Gegensatz. Oben angekommen, verasbschiedete Stefano sich schnell. Ich vermute mal, er hat schon mehr Zeit mit mir verbraten, als er eigentlich für seine Ausfahrt geplant hatte. Gracie mille, Stefano.

Es ging also nur noch bergab Richtung Genua. Erschöpft kam ich aber doch noch rechtzeitig im Hostel an.